Acne inversa unter Kontrolle bringen


Interview mit Dr. Antonia Wiala (Teil 2/3)

Mit ärztlicher Hilfe kann man die schmerzhaften Hautveränderungen bei Acne inversa gut in Schach halten. Acne inversa ist zwar nur bedingt heilbar, kann aber gut behandelt werden. Abhängig vom Krankheitsverlauf und der Ausprägung kommen dabei unter anderem Antibiotika, chirurgische Eingriffe oder Biologika zum Einsatz. Beim letzten Acne inversa Gesprächsnachmittag gab Dr. Antonia Wiala von der Abteilung für Dermatologie an der Rudolfstiftung, einen Überblick.

Wie kann eine Acne inversa behandelt werden?

Dr. Wiala: Die Basis jeder Therapie bildet die Reduktion von Risikofaktoren (Übergewicht, Rauchen, Rasur etc.). Bei milden Verläufen mit vereinzelten Knoten oder Abszessen versuchen wir zuerst die bakterielle Besiedelung einzudämmen. Kleine Entzündungen können etwa mit lokalen Antiseptika behandelt werden. Bei stärkeren Formen und wenn sich Abszesse nicht mehr selbst entleeren, können Langzeit-Antibiotika zum Einsatz kommen. Fistelgänge sollten in der Regel operiert werden, da diese „Hauttunnel“ auch unter medikamentöser Therapie nicht mehr von selbst zuheilen. In Fällen von zu viel gesunder Haut zwischen den erkrankten Hautarealen, kann eine Therapie mit einem Biologikum, einem sogenannten TNF-alpha Blocker, die Entzündung eindämmen und Beschwerden nachweislich lindern.

Wie geht man bei Operationen vor, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen?

Dr. Wiala: Durch die Operation soll die Heilung in dem betroffenen Gebiet erzielt werden. Das Aufstechen (Inzision) einzelner Abszesse bringt hingegen nur eine kurzfristige Erleichterung. Ziel der Operation ist das Ausschneiden des gesamten entzündeten Hautareals (in der Fachsprache auch En-bloc-Resektion genannt). Die Wunde kann dann entweder chirurgisch verschlossen werden (Transplantate oder primärer Wundverschluss) oder sie wird im offenen Zustand belassen und verheilt nach und nach von selbst (sekundäre Wundheilung). Nachblutungen und Wundinfekte können auftreten, sind aber in der Regel gut zu behandeln. Kontrakturen sogenannte Bewegungseinschränkungen, können durch zu viel vernarbtes Gewebe entstehen. Laut einer Befragung an der Rudolfstiftung sind die Patienten mit dem optischen und funktionellen Ergebnis aber sehr zufrieden und ein Krankenhaus-Aufenthalt dauert im Schnitt nur eine Woche. Während des stationären Aufenthalts lernt man auch, wie die Wunden schließlich zu Hause versorgt werden sollen.

Wann kommen Biologika als Therapie zum Einsatz?

Dr. Wiala: Bei mittelschweren bis schweren Verläufen können auch Biologika in Form von TNF-alpha-Blockern zum Einsatz kommen. Dabei wird die Entzündung gehemmt, sodass die Patienten im Idealfall keine Beschwerden haben und ihre alltäglichen Dinge uneingeschränkt erledigen können. Biologika greifen in die Immunabwehr ein. Deshalb ist man bei dieser Therapie manchmal anfälliger für bestimmte Infektionen. Vor der Therapieeinleitung werden Untersuchungen durchgeführt, um die Reaktivierung von schlummernden Infekten im Körper auszuschließen. In unseren Beobachtungen ist diese Therapie bisher nebenwirkungsarm. Der TNF-alpha-Blocker wird durch eine Injektion verabreicht, die sich der Patient selbst in den Bauch oder Oberschenkel setzt. Nicht jeder Patient spricht auf die Therapie gleich gut an. Bei gutem Ansprechen auf die Therapie kann sie auf unbestimmte Zeit laufen.

ATHUD180930-15102018


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